#Investlikeagirl: Frauen und Geld im Faktencheck

Irgendwann haben sich bestimmte Vorstellungen über Frauen und Geld so sehr festgesetzt, dass sie wie Fakten wirken: Frauen seien zu emotional. Sie hätten kein Interesse an Geldthemen. Der Partner kümmere sich ja darum. Nichts davon stimmt. Das sind alles Mythen – und sie haben reale finanzielle Folgen für Frauen. In diesem Blog nehmen wir fünf der verbreitetsten Mythen unter die Lupe und stellen sie den tatsächlichen Forschungsergebnissen gegenüber. Die Erkenntnisse könnten dich überraschen. So viel vorweg: Frauen ziehen als Anlegerinnen nicht einfach nur gleich, sie schneiden besser ab als Männer! Lies weiter für die Details – und für 5 konkrete Schritte, um mit dem Investieren zu beginnen.

Die Lücke ist real. Die Erklärung dafür aber nicht die, die du denkst. 

Innerhalb der neon-Nutzerbasis hat sich die Verteilung von 85% Männern und 15% Frauen im Jahr 2018 zu heute 60/40 verschoben. Bei den aktiv investierenden Nutzer:innen liegt der Frauenanteil jedoch nur bei 28%. Das entspricht dem gesamtschweizerischen Bild: Nur 41% der Frauen besitzen Wertschriften wie Aktien oder Fonds, verglichen mit 58% der Männer (IFZ Retail Banking Studie 2024, zitiert von der SIX Group). Bei der Lücke geht es nicht um Disziplin. Das Forschungsinstitut Sotomo hat herausgefunden, dass Frauen genauso diszipliniert sparen wie Männer. Der Unterschied zeigt sich erst danach: Nur 32% der Frauen legen einen Teil ihrer Ersparnisse in Aktien oder Fonds an, gegenüber 48% der Männer.

Mythos 1: «Frauen interessieren sich nicht fürs Investieren» 

Realität: Die Branche hat sich nie für sie interessiert. 

Ein Blick auf die Daten zeigt: Von Desinteresse kann keine Rede sein. 94% der befragten Frauen gaben in der Studie  «Women's Perspectives 2026» von der UBS und gfs.bern an, dass ihnen Geld ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Beim Investieren nannten 57% Sicherheit als wichtigstes Ziel – deutlich vor Vermögensaufbau (34%) und Rendite (21%). 

Dieselbe Studie zeigte, dass Frauen sehr häufig «zu wenig Geld» als Grund nennen, warum sie mit dem Investieren zögern – selbst dann, wenn sie, in den Worten der Forscherinnen, ihre alltäglichen Finanzen sehr bewusst organisieren. Das ist eine Fehleinschätzung, die die Finanzbranche bisher kaum korrigiert hat. Das Problem ist also nicht mangelndes Interesse seitens der Frauen, sondern eine fehlende Aufklärung durch die Branche, dass man schon mit kleinen Beträgen investieren kann.

Mythos 2: «Frauen sind zu emotional für rationale Finanzentscheidungen» 

Realität: Die Forschung zeigt genau das Gegenteil – und zwar bei den Männern. 

Daten zeigen, dass Frauen weniger emotional auf Schwankungen an der Börse reagieren, was bedeutet, dass sie ihre Anlagen tendenziell länger halten, statt bei einem Kursrückgang impulsiv zu verkaufen. 

Eine Studie der Warwick Business School zeigte, dass Frauen im Schnitt neun Mal pro Jahr handelten, Männer hingegen 13 Mal – und dass Frauen deutlich seltener zu spekulativen, «lotterieartigen» Anlagen neigten. 

Männern wird zwar oft nachgesagt, ihre Emotionen wenig zu gewichten – dabei sind ihre Emotionen bei Investitionsentscheidungen häufig stark im Spiel, mit voreiligen Entscheidungen, die meist von Wut, Ego oder Angst getrieben werden. Eine Studie des Anlageberaters Adam Hennick ergab, dass fast 70% der männlichen Investoren mit hohem Einkommen Anlageentscheidungen bereuten, die auf Emotionen beruhten, und dass Männer fast doppelt so häufig wie Frauen eine Aktie aus dem Bauch heraus kauften (13,7% gegenüber 7,5%).

Mythos 3: «Mein Partner kümmert sich um die Finanzen, ich muss das nicht» 

Realität: 80% der Frauen sind irgendwann im Leben allein für ihre Finanzen verantwortlich. 

Der Bericht  «Own Your Worth» vom UBS Wealth Management ergab, dass 70% der verheirateten Frauen Anlage- und Finanzentscheidungen ihren Ehemännern überlassen, wobei 81% von ihnen glauben, ihr Mann wisse mehr über Finanzfragen. 

Das Problem: Dadurch entsteht ein enormes Risiko für Frauen. Unabhängig davon, welche Finanzstrategie ein Paar verfolgt, werden zwischen 80% und 90% der Frauen irgendwann allein für ihre Finanzen verantwortlich sein. Mehr als die Hälfte der Geschiedenen und Verwitweten entdeckt erst nach dem Ende der Beziehung finanzielle Überraschungen, wie veraltete Testamente, Schulden oder Beitragslücken. Und das ist kein Problem der älteren Generation: Die UBS-Studie zeigte, dass diese Muster über alle Altersgruppen hinweg konsistent sind. 

Mythos 4: «Finanzberater:innen behandeln alle gleich» 

Realität: Berater:innen richten über 60% ihrer Aufmerksamkeit auf den Mann im Raum – unabhängig davon, ob ihnen das bewusst ist. 

Unbewusste Vorurteile in der Finanzberatung sind gut dokumentiert und direkt messbar. Forscher:innen von Merrill Lynch nahmen an realen Beratungsgesprächen zwischen heterosexuellen Paaren und ihren Finanzberater:innen teil und nutzten Eye-Tracking-Software, um zu erfassen, worauf sich die Aufmerksamkeit richtete. Sowohl männliche als auch weibliche Berater:innen richteten über 60% ihrer Zeit auf den Mann – und den meisten war ihre eigene Voreingenommenheit gar nicht bewusst. 

Zu den häufigsten beobachteten Vorurteilen gehörten die Annahme, der Mann treffe die Entscheidungen, die Annahme, die Frau wolle Anleitung, sowie die Annahme, Frauen wüssten weniger über Investieren als Männer. Zudem ergab eine Edward-Jones-Studie aus dem Jahr 2024, dass sich 67% der Investorinnen von ihren Finanzberater:innen nicht verstanden fühlten. 

Mythos 5: «Frauen fehlt es an Selbstvertrauen, weil ihnen Wissen fehlt» 

Realität: Frauen wissen mehr, als sie glauben. Die Lücke liegt vor allem im Selbstvertrauen, nicht in der Kompetenz. 

Frauen antworten bei standardisierten Fragen zur Finanzkompetenz (etwa den bekannten «Big Three»-Fragen zu Zinseszins, Inflation und Risikodiversifikation) deutlich häufiger mit «weiss nicht» als Männer – selbst wenn sie die richtige Antwort eigentlich kennen.  Untersuchungen des ZEW Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zeigten: Wird die Option «weiss nicht» entfernt und müssen sich die Befragten auf eine Antwort festlegen, steigt die Quote richtiger Antworten bei Frauen deutlich und ein Grossteil der scheinbaren Lücke schliesst sich. Rund ein Drittel der geschlechtsspezifischen Lücke bei der Finanzkompetenz lässt sich auf geringeres Selbstvertrauen zurückführen, nicht auf tatsächlich geringeres Wissen. Frauen brauchen also nicht mehr Informationen – sie brauchen das Selbstvertrauen, mit dem zu handeln, was sie bereits wissen. 

Die Daten sind eindeutig: Frauen sind die besseren Anlegerinnen.

Betrachtet man die gesamte Forschungslage, sind die Daten eindeutig und es ergibt sich ein konsistentes Bild. Forscher:innen der Warwick Business School untersuchten das Verhalten von 2'800 Anleger:innen über drei Jahre und stellten fest, dass Frauen im Schnitt jährliche Renditen erzielten, die bis zu 1,8 Prozentpunkte höher lagen als bei Männern. 

Eine McKinsey-Studie aus dem Jahr 2025 kam ebenfalls zum Schluss, dass Frauen tendenziell stabile Anlagen bevorzugen und einen vorsichtigeren Ansatz verfolgen, bei dem die langfristige finanzielle Sicherheit im Vordergrund steht.

Die geschlechtsspezifische Investitionslücke entsteht nicht durch mangelnde Fähigkeiten. Sie entsteht durch fehlenden Zugang, fehlendes Selbstvertrauen und durch ein System, das Frauen beim Thema Geld jahrzehntelang schlichtweg ignoriert hat. Die Daten haben die Frage, ob du das schaffen kannst, längst beantwortet. Hier erfährst du, wie du tatsächlich loslegst.
So gelingt der Einstieg ins Investieren in 5 Schritten 

Schritt 1: Kenne dein Budget 

Bevor du investierst, verschaff dir Klarheit darüber, wie viel du monatlich investieren kannst, ohne dabei finanziellen Stress zu kreieren.. Ein einfacher Überblick über dein Budget hilft dir, dich nachhaltig an einen Plan zu halten. Mit CHF 10 oder CHF 50 im Monat zu starten, ist bereits ein echter Anfang – Wichtiger als die Höhe des Investments ist zuerst einmal die Regelmässigkeit. 

Schritt 2: Definiere deine Ziele 

Wofür investierst du? Für die Altersvorsorge, ein Eigenheim, langfristige Unabhängigkeit? Deine Ziele bestimmen deinen Anlagehorizont und deine Risikobereitschaft. Wenn du ein geringeres Risiko und einen langfristigen Ansatz bevorzugst, sind diversifizierte ETFs ein weit verbreiteter Einstiegspunkt. Falls dir ETFs noch nicht vertraut sind, erklärt dir unser Blog  «ABCD... ETF?» die wichtigsten Konzepte in leicht verständlicher Sprache. 

Schritt 3: Wähle deine Anlagen

Sobald du deine Ziele festgelegt hast, kannst du entscheiden, wie du investierst. Das Grundprinzip ist Diversifikation. Soll heissen: das Risiko auf verschiedene Anlageklassen verteilen, statt sich auf eine einzige zu konzentrieren. Du bist dir nicht sicher, wo du anfangen sollst? Unsere vorgefertigten Sparplan-Vorlagen sind ein guter Ausgangspunkt. 

Schritt 4: Eröffne ein Anlagekonto 

Nicht alle Anbieter haben dieselben Gebühren oder Bedingungen. Vergleiche Kosten, Mindestbeträge und vor allem auch das Kleingedruckte, bevor du dich entscheidest. Mit neon invest kannst du bereits ab CHF 1 starten, mit Gebühren ab 0,5% und ohne versteckte Kosten. 

Schritt 5: Fang an. Und bleib dran. 

Der erste Schritt ist der wichtigste. Du musst dich nicht vollkommen bereit fühlen, um zu beginnen: Starte klein, beobachte und lerne. Der Zinseszinseffekt braucht vor allem eines: Zeit. Und je früher du startest, desto stärker arbeitet sie für dich. 

Die Forschung ist eindeutig, die Instrumente liegen bereit, und für die Lücke trägst du keine Schuld. Jede Frau, die investiert – egal in welcher Höhe und  mit welchem Selbstvertrauen – trifft eine Entscheidung, die sich mit der Zeit vervielfacht: finanziell und darüber hinaus. Du musst nicht schon alles durchdacht haben, bevor du anfängst. Du musst einfach nur anfangen.


Nützliche Ressourcen bei neon


Zitierte Quellen

  • «Sustainable Investing Trends» (unter Berufung auf die IFZ Retail Banking Studie 2024). SIX Group.

  • «Women's Perspectives 2026 – eine Studie des UBS Sorgenbarometers.» UBS & gfs.bern, Juni 2026.

  • «Emotional Investing: How Men And Women Can Find A Balance» (unter Berufung auf die Anlegerstudie von Adam Hennick). Forbes Finance Council, Juli 2023.

  • «Own Your Worth: How Women Can Break the Cycle of Abdication and Take Control of Their Wealth.» UBS Wealth Management USA, Mai 2018.

  • «Advisers Need to Address Gender Stereotypes About Women: Merrill» (unter Berufung auf die Eye-Tracking-Studie von Merrill Lynch Wealth Management). InvestmentNews, August 2020.

  • «Fearless Woman: Financial Literacy and Stock Market Participation.» Bucher-Koenen, T., Alessie, R., Lusardi, A., & van Rooij, M. ZEW Discussion Paper Nr. 21-015, März 2021.

  • «Beyond Knowledge: Confidence and the Gender Gap in Financial Literacy.» Cziriak, M., Bucher-Koenen, T., & Alessie, R. ZEW Discussion Paper Nr. 24-083, 2024.

  • «Women Tend to Be 'Risk-Appropriate' Investors, Expert Says» (unter Berufung auf die Analyse von 2'800 Anleger:innen der Warwick Business School sowie die Erkenntnisse von McKinsey 2025). CNBC, April 2026.

  • «To Be It, You Have to See It: The Rising Power of Women in Financial Advisory» (citing Edward Jones, 2024). AdvisorHub, March 2025.


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